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ZUM THEMA STADTTAUBEN
Was sind Stadttauben ?
Stadttauben sind entgegen weitverbreiteter Meinung
keine Wildtiere, sondern entflogene Brief-, Zucht- und Haustauben sowie deren Nachkommen (so auch Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/1996). Damit sind Stadttauben nichts anderes als verwilderte Haustiere, so
wie verwilderte Katzen, die nach wie vor auf den Menschen angewiesen sind. Ebensowenig sind Stadttauben sog. “Kulturfolger” (wie z.B. Waschbären in manchen Städten), da sie nicht als wilde Tiere von sich aus zu
den Menschen in die Städte gekommen sind, sondern von den Menschen als Brief-, Rasse- und Haustauben in die Städte verbracht und nach wie vor gezüchtet werden.
Stellen Stadttauben eine Gesundheitsgefahr für den Menschen dar ?
Bereits 1989 hat der ehemalige Präsident des Bundesgesundheitsamtes Prof.Dr.Dr.Großklaus, bestätigt 1997 durch das heutige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und
Veterinärmedizin in Berlin festgestellt: “Eine gesundheitliche Gefährdung durch Tauben ist nicht größer als die durch Zier- und Wildvögel sowie durch Nutz- und Liebhabertiere”. Tauben sind nicht mehr und
nicht weniger mögliche Träger von Krankheiten wie jeder Spatz, Meise, Amsel, etc, also die im Gegensatz zu den Stadttauben so geliebten Singvögel. Auch eine Gesundheitsgefährdung durch die sog. ”Papageienkrankheit”
besteht nicht mehr als bei jedem Wellensittich oder Papagei. Lt. Bundesgesundheitsamt ist jedoch bislang keine einzige Übertragung der Papageienkrankheit durch Stadttauben auf den Menschen bekannt geworden. Die
Angst der Bevölkerung vor einer angebliche Gesundheitsgefährdung durch Stadttauben beruht auf jahrzehntelanger Pressehetze, insbesondere der billigen Boulevardpresse, die Tauben unberechtigt zu todbringenden “Ratten
der Lüfte”abgestempelt hat.
Zerstören Stadttauben unsere Gebäude ?
Taubenkot mag an manchen Gebäuden ein ästethisches Problem sein, ist jedoch nicht die Ursache der Gebäudezerstörung. Vielmehr sind es vor allem Luftschadstoffe (Abgase) und saurer
Regen, die die Gebäudesubstanz angreifen. Da niemand auf sein Auto oder unsere Industrie verzichten möchte, ist es - wieder einmal vor allem für die Presse - einfacher, den im Gegensatz zu Abgasen und saurem
Regen sichtbaren Taubenkot für den Gebäudezerfall verantwortlich zu machen. Tauben leben jedoch seit Jahrhunderten in unseren Städten ohne daß es je zu Gebäudezerstörung durch Taubenkot kam. Gebäudeschäden traten
erst mit der Industrialisierung auf, also eindeutig im Zusammenhang mit von Menschen produzierten Schadstoffen. Interessant: Der bei uns so verhaßte, angeblich verseuchte und zerstörende Taubenkot wird seit
Jahrhunderten in vielen Ländern als Dünger hoch geschätzt.
Das Fütterungsverbot bzw. warum Stadttauben auf die Hilfe des Menschen angewiesen ?
Nach weit verbreiteter Meinung kommen Tauben angeblich gut alleine zurecht und finden in den Städten zum Leben was sie brauchen. Realität ist jedoch, daß ein Großteil der
Tiere elendig verhungern würde, wären da nicht seit jeher Menschen, die sie mit Futter versorgen. Denn alleine mit den Abfällen der Menschen (Pizza- und Brotreste, Eistüten, etc) kann eine Taube nicht überleben, da
eine solche Ernährung in keiner Weise artgerecht ist: Die Tiere leiden unter Mangelerscheinungen mit der Folge von erhöhter Infektionsgefahr, stärkerem Ungezieferbefall, bis hin zu absterbenden Gliedmaßen noch im
Nestlingsalter. Tauben überleben in unseren Städten unter diesen erbärmlichen Nahrungsbedingungen selten länger als 2 Jahre - obgleich sie ein Alter von über 12 Jahren erreichen könnten. Die meisten Tauben erreichen
das erste Lebensjahr nicht, sterben bereits als Baby im Nest.
Das in den meisten deutschen Städten bestehende Fütterungsverbot
beruht auf der Unkenntnis derer, die es erlassen haben: So ging man irrtümlich davon aus, daß Tauben Wildtiere seien, die ihre Brutaktivität nach dem Nahrungsangebot richten. Tatsächlich brüten unsere Stadttauben jedoch als Nachkommen der Brief-, Zucht- und Haustauben dem
menschlichen Zuchtziel entsprechend jedoch bis zu 8 Mal im Jahr - unabhängig vom Nahrungsangebot. Die ursprünglich nahrungsabhängige maximal 2 Mal im Jahr stattfindende Brut der wilden Felsentaube als “Urmutter” der heutigen Stadttaube wurde in jahrhundertelanger Domestizierung durch den Menschen “weggezüchtet”. Die heutige Stadttaube kann also ihrer Zucht entsprechend garnicht anders, als unabhängig von Nahrung und Jahreszeit zu brüten.
Folge des Fütterungsverbotes ist also nicht, daß weniger Futter zu weniger Brutaktivität führt, vielmehr ist die direkte Folge eines eingehaltenen Fütterungsverbotes ein Verhungern von Elterntieren und vor allem
Nestlingen - ein klarer Verstoß gegen § 17 Tierschutzgesetz ! ! !
Tierschutzgerechte Regulierung des Stadttaubenbestandes
Zur tierschutzgerechten Regulierung des Stadttaubenbestandes existiert ein Konzept der “Bundesarbeitsgruppe Stadttauben”, das die Einrichtung von Fütterungsplätzen sowie die
Unterbringung der Tauben in Taubenschlägen, -türmen oder -häusern bei Versorgung mit artgerechtem Körnerfutter, tierärztlicher Versorgung sowie Austausch der Gelege gegen Gipseier vorsieht. Bereits über ein
Dutzend deutscher Städte haben dieses Konzept erfolgreich verwirklicht. Bruchsal steht kurz vor der Umsetzung des Konzepts, Karlsruhe hat seine bereits vor über drei Jahren gegebene Zusage trotz regelmäßiger
Anfragen und Erinnerungen jedoch noch immer nicht umgesetzt - ein Taubenhaus wurde am Mühlburger Tor vom Tierheim Karlsruhe erstellt, die Stadt meint nun, ihre Schuldigkeit getan zu haben ...
Das Kozept im einzelnen ist auf der Homepage der “Bundesarbeitsgruppe Stadttauben” nachzulesen.
Die größten Gefahren für Stadttauben
Die größen Gefahren für Stadttauben stellen neben Mangelernährung durch zu wenig oder nicht artgerechtes Futter (Abfälle) die sog. Taubenabwehrsysteme
dar, also die auf und an Gebäuden angebrachten Spieße, Drähte und vor allem Netze.
Insbesondere junge und unerfahrene Tauben erkennen die Spieße zu spät und verletzen sich an diesen schwer. Sie schneiden
sich die Beine auf und werden aufgespießt, wennn sie hineinfallen.
Am häufigsten sieht man die Folgen der Netze: Die Tauben versuchen die vernetzten Gebäude anzufliegen, geraten mit den Füßen in die Netze
und verheddern sich in diesen. Können sie sich nicht befreien, verenden sie qualvoll, oft tagelang in den Netzen hängend. Können sie sich losreißen, schnüren die an den Beinen verbliebenen Netzteile/Fäden die Füße
bis auf die Knochen ab. Zehen, ganz Füße vereitern, werden in wochen- und monatelanger Qual schwarz bis sie abfaulen oder das Tier an der Infektion stirbt. Manche Tauben haben beide Beine mit Netzfäden verschnürt,
so daß sie nicht mehr stehen oder laufen können. Die Futtersuche ist für diese Tiere fast unmöglich, sie verhungern langsam oder erfrieren im nächsten Winter.
Dringend erforderlich ist, daß die Gemeinden und Städte wie auch die Geschäftsleute davon Abstand nehmen, ihre Gebäude zu “Festungen gegen Tauben” für viel Geld aufzurüsten,
sondern sich statt dessen endlich entschließen, die Tiere entsprechend des oben dargestellten Konzeptes zur tierschutzgerechten Regulierung unterzubringen, so daß diese nicht mehr darauf angewiesen sind, sich auf
und an Gebäuden aufzuhalten.
Was tun, wenn man eine verletzte Stadttaube findet ?
Wenn Sie eine verletzte Stadttaube sehen, laufen Sie nicht einfach weiter, sondern helfen Sie dem Tier !!!
- Sitzt oder liegt die Taube aufgeplustert auf der Straße oder an einer Hauswand, ist sie sehr krank und muß sofort tierärztlich behandelt werden. Meist ist eine solche Taube zu schwach um wegzufliegen. Sie können Sie also einfach aufnehmen.
- Hat eine Taube einen stark herabhängenden Flügel, ist dieser wahrscheinlich gebrochen. Auch ein solches Tier muß dringend tierärztlich behandelt werden. Tauben mit Flügelbruch können meist, wenn überhaupt, nur noch flattern, sind also auch recht einfach zu fangen. Am besten “dirigiert” man sie in Richtung eines Hauseinganges, bevor man sie fängt. .
- Humpelt eine Taube, hat sie Schmerzen in den Füßen. Diese sind dann aller Wahrscheinlichkeit nach verschnürt (sehen oft verkrüppel oder schon schwarz aus). Auch eine solche Taube muß dringend zum Tierarzt, weil die Verschnürung der Füße nachvollziehbar schreckliche Schmerzen verursacht. Solch eine Taube - die noch fliegen kann - zu fangen, ist jedoch nicht einfach. Versuchen Sie die Taube mit kleinen Brötchenstücken anzulocken und mit der Hand zu greifen oder - soweit vorhanden - mit einem Kescher zu fangen. .
WICHTIG: Sie können eine Taube ruhig anfassen,
es passiert weder Ihnen noch dem Tier etwas. Sie können sich später die Hände waschen, müssen jedoch nicht befürchten, sich alleine durch die Berührung einer Taube mit der Hand eine “todbringende Krankheit” einzufangen.
Fassen Sie die Taube von oben auf den Rücken und greifen Sie mit der Hand über die Flügel. Sobald Sie die Taube gefaßt haben, nehmen Sie die zweite Hand zuhilfe. Auch wenn das Tier
flattern sollte, lassen Sie es nicht wieder los. Haben Sie keine Angst, das Tier zu verletzen: Ein Taubenflügel bricht nicht so leicht wie man denkt und auf der Straße belassen ist das Tier weiterer Qual oder dem
Tod ausgeliefet.
Wenn Sie keinen Käfig zur Hand haben, stecken Sie die Taube in eine Tasche aus Papier oder Stoff, um sie zum nächsten Tierarzt zu bringen. Notfalls können Sie die Taube zum
Transport auch in ein Kleidungsstück wickeln. Achten Sie auf genügend Luftzufuhr, vor allem keine Plastiktüte verwenden!
Nach erfolgter tierärztlicher Behandlung kann man eine Taube zur Pflege gut in einem Hasenkäfig unterbringen. Gefüttert wird mit Taubenfutter oder Futterweizen (selten im
Zoohandel, sondern in Futtermittelgeschäften (Raiffeisen-Markt) zu bekommen), notfalls/vorläufig mit Wellensittichfutter. Immer für frisches Wasser sorgen ! In Futtermittelhandlungen gibt es auch “Taubengrit”,
der das Tier mit Mineralstoffen versorgt.
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